Proporz geht über Erfolg

13. Dezember 2016

Donaukurier 11.12.2016.

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Wochenlang ist hinter den Kulissen geschachert worden. Ein für alle zufriedenstellendes Ergebnis war vor der Listenaufstellung der Bayern-SPD für die Bundestagswahl aber trotzdem nicht erreicht worden. Und am Schluss gab es eine große Verliererin: Johanna Uekermann. So verständlich es ist, dass die Bezirkschefs auf den Regionalproporz pochen, so unverständlich ist am Schluss dennoch das Ergebnis. Denn Uekermann ist in der SPD nicht irgendjemand. Sie ist die Bundesvorsitzende der SPD-Jugendvereinigung. Chefin von 70 000 Juso-Mitgliedern.

Es ist unbegreiflich, dass eine solche Persönlichkeit keinen Platz unter den ersten 22 Frauen und Männern bekommt - vor allem, wenn man bedenkt, dass die Bayern-SPD mit großen politischen Talenten nicht unbedingt gesegnet ist. Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass Uekermann sicher mehr Wähler anzieht als die unbekannte Katharina Schrader. Und dass sie vor allem mehr SPD-Wahlkämpfer mobilisiert. Und auf den engagierten Einsatz der Jusos sind die Sozialdemokraten im Wahlkampf angewiesen. Die umstrittene Listenaufstellung war daher ein Schuss ins eigene Knie. Das Signal: Proporz geht über Erfolg.

Das Ironische an dem Ergebnis ist: Sollte sich die Jugend nun noch mehr von der SPD abwenden und ihr nächstes Jahr ein schlechtes Wahlergebnis bescheren, fiele vielleicht sogar der 22. Abgeordnetenplatz weg, den die Schwaben mit einer Kampfkandidatur erobert haben.

Von Daniel Wenisch