Am Freitag, den 8. Mai 2026, versammelten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit den Straubinger Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sowie den Jusos am Friedhof St. Peter, um der Befreiung vom Nationalsozialismus vor 81 Jahren zu gedenken. Im Mittelpunkt der traditionellen Gedenkfeier der SPD standen das ehrende Erinnern an lokale Widerstandskämpfer, das Mahnen gegen das Vergessen und der politische Auftrag für die Gegenwart.
Marvin Kliem, Vorsitzender der SPD Straubing und stellvertretender Vorsitzender der NiederbayernSPD, eröffnete die Veranstaltung und erinnerte an zwei Straubinger Sozialdemokraten, deren Schicksal stellvertretend für den Mut vieler steht. Josef Laumer, von 1920 bis 1933 SPD-Vorsitzender in Straubing und Mitglied des Bayerischen Landtags, stimmte 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz und wurde dafür mit 19 Monaten KZ Dachau und vier Jahren Zuchthaus bestraft. Josef Joringer und seine Verlobte Helene schmuggelten im Untergrund verbotene SPD-Zeitungen aus dem Prager Exil nach Straubing, versteckt im Fahrradrahmen auf gefährlichen Fahrten, die mit dem Tod hätten enden können. Joringer wurde verhaftet, verurteilt und bis 1939 im KZ Dachau inhaftiert. Besonders bewegend war die Anwesenheit von Robert Joringer, einem Enkel von Helene Joringer, der als Gast an der Gedenkfeier teilnahm. „Das waren keine Helden aus Geschichtsbüchern", so Kliem. „Das waren Arbeiterinnen und Arbeiter aus dieser Stadt, Menschen wie wir, die eine Wahl hatten und die richtige getroffen haben, auch wenn sie dafür einen schrecklichen Preis bezahlten. Wenn Rechtsextreme heute wieder in Parlamenten sitzen und die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zu relativieren versuchen, dann wäre Schweigen ein Verrat an ihrem Mut."
Altbürgermeister Hans Lohmeier erinnerte in seiner Gedenkrede an den Straubinger Sozialdemokraten Hans Brandl, der 1939 die Einberufung zur Wehrmacht verweigerte, daraufhin in mehreren Konzentrationslagern interniert und schließlich zwangsweise in die berüchtigte SS-Brigade Dirlewanger gepresst wurde, von wo er nicht mehr zurückkehrte. Lohmeier betonte die bleibende Bedeutung solcher Schicksale für die Gegenwart: „Josef Laumer, Josef Joringer, Hans Brandl und viele andere haben in dieser Stadt bewiesen, dass es auch unter den schlimmsten Bedingungen möglich ist, Haltung zu bewahren. Das ist kein Stoff für Denkmäler, sondern ein Auftrag an uns alle. Unsere Demokratie wird nicht durch große Gesten verteidigt, sondern durch die vielen kleinen Entscheidungen, die jede und jeder von uns tagtäglich trifft."
Lisa Schardt, Vorsitzende der Jusos Straubing, betonte die Verantwortung der jungen Generation: „Solange Rechtsextreme auf offener Straße marschieren und in Parlamenten sitzen, ist 'Nie wieder' kein historischer Satz, sondern eine tägliche Aufgabe. Wir Jusos nehmen diese Aufgabe an, weil wir wissen, was auf dem Spiel steht, wenn man sie ignoriert."
Peter Stranninger, seit dem Vortag 3. Bürgermeister der Stadt Straubing, nahm als frisch gewählter Amtsträger an der Gedenkfeier teil und hob die Bedeutung des Moments hervor: „Dass mein erster voller Tag als Bürgermeister mich hierher führt, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Wer politische Verantwortung übernimmt, muss wissen, worauf diese Demokratie gebaut ist und was es Menschen wie Josef Laumer und Hans Brandl gekostet hat, sie zu erkämpfen und zu verteidigen."
Die Gedenkfeier endete in stillem Innehalten mit musikalischer Begleitung durch Simon Bründl am Friedhof St. Peter, im Bewusstsein, dass Erinnerung kein Selbstzweck ist, sondern Verpflichtung bleibt: für Demokratie, für Solidarität und für ein Nie wieder, das nicht nur gesagt, sondern gelebt wird.